Salbeitee Wirkung

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Thujon im Salbei: Wie gefährlich ist Salbeitee wirklich?

Wer sich etwas genauer mit Salbeitee beschäftigt, stößt früher oder später auf einen Namen, der zunächst wenig nach gemütlicher Teestunde klingt: Thujon. Der Pflanzenstoff wird mit Krampfanfällen und neurotoxischen Wirkungen in Verbindung gebracht und ist einer der Gründe, warum bei Salbei immer wieder vor zu großen Mengen gewarnt wird. Daraus entsteht leicht der Eindruck, bereits die tägliche Tasse Salbeitee sei ein riskantes Vergnügen. So einfach ist die Sache jedoch nicht. Thujon verdient Aufmerksamkeit, aber eine normale Zubereitung aus Salbeiblättern muss klar von hoch konzentriertem ätherischem Salbeiöl unterschieden werden.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur berücksichtigt Thujon ausdrücklich bei ihrer Sicherheitsbewertung von Salvia officinalis. Für die in ihrer Monographie erfassten medizinischen Salbeiblatt-Zubereitungen wurde die tägliche Aufnahme auf maximal 6 Milligramm Thujon pro Person begrenzt. Werden die vorgesehenen Dosierungen eingehalten und diese Grenze nicht überschritten, sieht die EMA bei Erwachsenen kein besonderes Sicherheitsproblem für entsprechende Salbeiblatt-Zubereitungen. Für ätherisches Salbeiöl fällt die Einschätzung dagegen wesentlich kritischer aus.

Was ist Thujon überhaupt?

Thujon ist ein natürlicher Bestandteil der ätherischen Öle verschiedener Pflanzen. Besonders bekannt ist es aus Wermut, der unter anderem zur Herstellung von Absinth verwendet wird. Aber auch Echter Salbei, Salvia officinalis, kann relativ viel Thujon in seinem ätherischen Öl enthalten. Dabei kommen vor allem α-Thujon und β-Thujon vor.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat bei seiner Bewertung thujonhaltiger Pflanzen darauf hingewiesen, dass Salbei im Vergleich zu vielen anderen Küchenkräutern einen hohen Thujonanteil im ätherischen Öl besitzen kann. Die gemessenen beziehungsweise in der Fachliteratur beschriebenen Werte schwanken erheblich. Genau diese Schwankungen sind einer der Gründe, weshalb sich aus der Menge getrockneter Salbeiblätter nicht milligrammgenau vorhersagen lässt, wie viel Thujon letztlich aufgenommen wird.

Thujon steckt nicht isoliert im Salbeiblatt

Ein Salbeiblatt besteht selbstverständlich nicht aus Thujon. Der Stoff ist lediglich ein Bestandteil des ätherischen Öls, und auch dieses macht nur einen Teil des gesamten Pflanzenmaterials aus. Im Blatt befinden sich daneben zahlreiche weitere Inhaltsstoffe.

Dieser Zusammenhang ist entscheidend, wenn über die Gefährlichkeit von Salbeitee gesprochen wird. Die Angabe, dass beispielsweise ein großer Anteil des ätherischen Salbeiöls aus Thujonen bestehen kann, bedeutet nicht, dass derselbe Prozentsatz eines getrockneten Salbeiblattes aus Thujon besteht. Noch weniger bedeutet es, dass sämtliche im Pflanzenmaterial enthaltenen Mengen beim Aufgießen vollständig in die Tasse gelangen. Das BfR weist zugleich auf die großen Schwankungen der Thujongehalte verschiedener Salbeiproben hin.

Warum kann Thujon problematisch werden?

Thujon besitzt bei ausreichend hoher Aufnahme neurotoxische Eigenschaften. Besonders relevant ist das Risiko von Krampfanfällen. Die EMA verweist sowohl auf tierexperimentelle Untersuchungen als auch auf Fallberichte, bei denen hohe Dosen thujonhaltiger ätherischer Öle mit Krampfanfällen in Verbindung gebracht wurden.

Damit ist Thujon kein völlig harmloser Aromastoff. Die entscheidende Frage lautet jedoch wie so häufig in der Toxikologie nicht nur, ob ein Stoff grundsätzlich schädlich sein kann, sondern in welcher Dosis er aufgenommen wird. Zwischen Spuren beziehungsweise begrenzten Mengen in einer pflanzlichen Zubereitung und einer hohen Dosis konzentrierten ätherischen Öls besteht ein erheblicher Unterschied.

Warum Salbeiöl und Salbeitee nicht dasselbe sind

Der vielleicht wichtigste Punkt der gesamten Thujon-Diskussion ist die Abgrenzung zwischen Salbeiblättern und ätherischem Salbeiöl. Bei der Herstellung eines ätherischen Öls werden flüchtige Pflanzenbestandteile stark konzentriert. Damit steigt zwangsläufig auch die Konzentration jener Stoffe, die toxikologisch relevant sein können.

Die EMA formuliert diese Unterscheidung ausgesprochen deutlich. Salbeiblätter können bei Einhaltung der empfohlenen Dosierungen und der festgelegten Thujongrenzen als ausreichend sicher für Erwachsene angesehen werden. Für Salbeiöl hält die Behörde dagegen fest, dass die Verwendung von Produkten, die ausschließlich ätherisches Salbeiöl enthalten, mit einem hohen Risiko verbunden ist, die empfohlene maximale Thujonaufnahme zu überschreiten.

Ein paar Tropfen ätherisches Salbeiöl sind deshalb keineswegs mit einer besonders kräftigen Tasse Salbeitee gleichzusetzen. Die beiden Produkte sollten hinsichtlich Dosierung und Sicherheit vollständig getrennt betrachtet werden.

Woher kommt die Grenze von sechs Milligramm?

In der europäischen Monographie für Salbeiblätter verlangt die EMA, dass die tägliche Belastung durch Thujon aus einem entsprechenden pflanzlichen Arzneimittel unter 6 Milligramm pro Person bleibt. Dieser Wert ist keine pauschale Aussage, dass genau 6,01 Milligramm plötzlich giftig wären. Er ist eine Sicherheitsgrenze für die in der Monographie erfassten Arzneimittelzubereitungen.

Bei der Festlegung wurde auch berücksichtigt, dass Menschen Thujon zusätzlich über Lebensmittel aufnehmen können. Die EMA bezeichnet durchschnittliche Aufnahmen über Lebensmittel in der Größenordnung von etwa einem Milligramm täglich in ihrer damaligen Bewertung als nicht besonders besorgniserregend und reduzierte daraus die für pflanzliche Arzneimittel angesetzte zusätzliche maximale Tagesmenge auf sechs Milligramm.

Die Zahl sollte deshalb nicht als persönliche Einladung verstanden werden, jeden Tag möglichst genau sechs Milligramm Thujon aufzunehmen. Sie dient vielmehr dazu, Arzneimittel so zu formulieren und zu dosieren, dass eine ausreichende Sicherheitsmarge erhalten bleibt.

Wie viel Thujon steckt in einer Tasse Salbeitee?

Genau hier wird die scheinbar einfache Frage kompliziert. Der Thujongehalt von Salvia officinalis kann erheblich schwanken. Herkunft, Pflanze, Erntebedingungen und Zusammensetzung des ätherischen Öls beeinflussen den tatsächlichen Wert. Hinzu kommt, dass bei einem Teeaufguss nicht sämtliche Bestandteile des Blattes vollständig ins Wasser übergehen.

Deshalb wäre eine Aussage wie „eine Tasse Salbeitee enthält exakt 0,7 Milligramm Thujon“ ohne Analyse des verwendeten Pflanzenmaterials unseriös. Bei zugelassenen beziehungsweise entsprechend standardisierten pflanzlichen Arzneimitteln lässt sich die Belastung kontrollieren. Beim losen Salbei aus dem eigenen Garten kennt der Teetrinker den konkreten Thujongehalt normalerweise nicht.

Das bedeutet allerdings auch nicht, dass man deshalb vor jeder selbst aufgebrühten Tasse Angst haben müsste. Die europäische Bewertung geht ausdrücklich davon aus, dass Salbeiblatt-Zubereitungen bei empfohlener Dosierung und Einhaltung der Grenzwerte für Erwachsene keinen besonderen Sicherheitsgrund zur Sorge darstellen.

Die Menge der Salbeiblätter bleibt entscheidend

Weil man den Thujongehalt zu Hause nicht bestimmen kann, ist ein vernünftiger Umgang mit der Pflanzenmenge besonders sinnvoll. Für bestimmte traditionelle Anwendungen beschreibt die EMA klar definierte Mengen getrockneter Salbeiblätter. Bei leichten Verdauungsbeschwerden werden beispielsweise 1 bis 2 Gramm der zerkleinerten Blätter mit 150 Millilitern kochendem Wasser aufgegossen und bis zu dreimal täglich verwendet. Solche Dosierungen sind wesentlich sinnvoller als ein möglichst konzentrierter Aufguss nach Augenmaß.

Wer eine Handvoll Salbei in einen kleinen Becher stopft, weil ein stärkerer Tee angeblich stärker wirken müsse, verlässt diese nachvollziehbaren Mengen. Für eine bessere Wirkung gibt es dadurch keinen Beleg, während die Aufnahme der Pflanzeninhaltsstoffe zwangsläufig zunimmt.

Ist täglicher Salbeitee deshalb gefährlich?

Eine gelegentliche oder im Rahmen der empfohlenen traditionellen Anwendung zubereitete Tasse Salbeitee ist nicht mit einer Thujonvergiftung gleichzusetzen. Die EMA betrachtet Salbeiblatt-Zubereitungen für Erwachsene bei bestimmungsgemäßer Dosierung ausdrücklich als ausreichend sicher, solange die festgelegten Thujongrenzen eingehalten werden.

Problematischer wird die Frage, wenn Salbei über lange Zeit in ungewöhnlich großen oder stark konzentrierten Mengen konsumiert wird. Dann lässt sich insbesondere bei nicht standardisiertem Pflanzenmaterial kaum abschätzen, wie viel Thujon tatsächlich aufgenommen wird.

Wer Salbeitee einfach gern trinkt, muss daraus deshalb kein tägliches Ritual mit mehreren extrem kräftigen Tassen machen. Abwechslung unter verschiedenen Kräutertees ist ohnehin geschmacklich interessanter und vermeidet unnötig hohe Daueraufnahmen einzelner Pflanzenstoffe.

Drei Tassen bedeuten nicht automatisch zu viel Thujon

Aus der Thujonproblematik folgt auch nicht, dass beispielsweise drei Tassen Salbeitee automatisch gefährlich wären. Die EMA selbst beschreibt für bestimmte traditionelle Anwendungen dreimal täglich einen Salbeiaufguss. Relevant sind dabei die eingesetzte Pflanzenmenge und die kontrollierte Zusammensetzung der medizinischen Zubereitung.

Umgekehrt kann man aus der Zahl „drei Tassen“ aber auch keine allgemeine Sicherheitsgarantie ableiten. Drei kleine Tassen mit einer üblichen Menge Salbeiblättern sind etwas völlig anderes als drei halbe Liter große Becher, die jeweils mit sehr großen Mengen Pflanzenmaterial angesetzt wurden.

Deshalb ist die Grammangabe bei Heilkräutern aussagekräftiger als eine reine Tassenzahl.

Langes Ziehen verwandelt Tee nicht in Salbeiöl

Gelegentlich wird davor gewarnt, Salbeitee zu lange ziehen zu lassen, weil dadurch plötzlich gefährliche Thujonmengen entstehen würden. Ein längerer Aufguss kann die Zusammensetzung und den Geschmack des Getränks beeinflussen, aber auch ein lange gezogener Tee wird nicht zu ätherischem Salbeiöl.

Wichtiger als die Vorstellung einer sekundengenauen Sicherheitsgrenze bei der Ziehzeit ist die Menge des verwendeten Pflanzenmaterials. Wer sich bei medizinisch gedachter Anwendung an eine etablierte Dosierung hält, muss nicht versuchen, den Tee durch möglichst extreme Konzentration zu „verstärken“.

Selbst angebauter Salbei ist nicht automatisch thujonarm

Ein häufiger Fehlschluss lautet, selbst angebauter Salbei sei natürlicher und deshalb automatisch sicherer oder thujonärmer. Gerade bei Pflanzen können die Gehalte einzelner Inhaltsstoffe jedoch erheblich variieren. Das BfR dokumentiert für Salbei eine große Spannbreite von Thujongehalten im ätherischen Öl.

Das ist kein Argument gegen den eigenen Kräutergarten. Frisch geernteter Salbei eignet sich hervorragend zum Kochen und für gelegentliche Tees. Wer Salbei dagegen dauerhaft in medizinisch relevanten Mengen verwenden möchte, bekommt mit standardisiertem beziehungsweise kontrolliertem Pflanzenmaterial eine besser einschätzbare Grundlage.

Salbei als Gewürz ist eine andere Größenordnung

Auch Salbeiblätter im Essen enthalten grundsätzlich Inhaltsstoffe der Pflanze. Die Mengen, die beim Würzen eines Gerichts verwendet werden, unterscheiden sich allerdings häufig deutlich von einer gezielten medizinischen Zubereitung mehrmals täglich.

Genau deshalb sollte zwischen kulinarischer Verwendung, gelegentlichem Kräutertee und einer Salbeikur unterschieden werden. Die bloße Tatsache, dass Salbei Thujon enthält, macht ein Pastagericht mit einigen Salbeiblättern nicht zu einer toxikologischen Gefahr.

Das BfR geht allerdings davon aus, dass Salbei aufgrund seiner verbreiteten Verwendung und seines vergleichsweise hohen Thujonanteils im ätherischen Öl einen relevanten Beitrag zur Thujonaufnahme über Lebensmittel leisten kann.

Warum ätherisches Salbeiöl besondere Vorsicht verdient

Beim ätherischen Öl kehrt sich die Situation um. Hier sind gerade jene flüchtigen Substanzen konzentriert, zu denen Thujon gehört. Das ist der Grund, warum ein Produkt aus reinem Salbeiöl nicht nach denselben Regeln dosiert werden darf wie ein Tee.

Die EMA sieht bei der Einnahme von Salbeiöl als Einzelprodukt ein hohes Risiko, die maximal empfohlene Thujonmenge zu überschreiten. Sie verweist zudem auf Fälle von Krampfanfällen nach der Einnahme ätherischen Salbeiöls. Wegen der unzureichenden klinischen und toxikologischen Daten wurde für Salbeiöl im Gegensatz zu Salbeiblättern keine entsprechende europäische Pflanzenmonographie erstellt.

Wer Salbeitee trinken möchte, hat deshalb keinen Grund, ihn durch zugesetztes ätherisches Salbeiöl „wirksamer“ zu machen.

Was passiert bei einer Thujonvergiftung?

Bei hohen Dosen steht insbesondere die Wirkung auf das Nervensystem im Vordergrund. Die EMA nennt Krampfanfälle als wesentliches toxikologisches Risiko von Thujon und verweist dafür sowohl auf Tierstudien als auch auf Fallberichte bei hoch konzentrierten ätherischen Ölen.

Solche Berichte dürfen allerdings nicht aus ihrem Zusammenhang gerissen werden. Ein Fall nach der Einnahme konzentrierten ätherischen Öls sagt nicht aus, dass dieselbe Gefahr nach einer gewöhnlichen Tasse Salbeitee besteht. Gerade diese Vermischung unterschiedlicher Zubereitungsformen ist für viele alarmistische Aussagen über Salbei verantwortlich.

Ist Thujon krebserregend?

Bei einzelnen Pflanzenstoffen werden toxikologische Untersuchungen häufig so interpretiert, als müsse jede beobachtete Wirkung bei sehr hohen Versuchsdosen unmittelbar für normale Lebensmittelmengen gelten. Die Sicherheitsbewertung von Thujon konzentriert sich insbesondere auf seine neurotoxischen Wirkungen und die Gefahr von Krampfanfällen bei hohen Dosen. Für die alltägliche Entscheidung, ob eine normal dosierte Salbeiblatt-Zubereitung vertretbar ist, ist die Bewertung der Gesamtexposition entscheidender als die isolierte Betrachtung einzelner Tierversuche.

Die EMA kommt für die von ihrer Monographie abgedeckten Salbeiblatt-Zubereitungen zu dem Ergebnis, dass bei Einhaltung der Dosierung und der Thujongrenze kein besonderes Sicherheitsproblem für Erwachsene erwartet wird. Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass die vorhandenen Daten zur Genotoxizität nicht ausreichen, um Salbeiblätter in die weitergehende europäische Unionsliste aufzunehmen.

Das ist eine wesentlich differenziertere Aussage als sowohl „Thujon verursacht Krebs“ als auch „Thujon ist völlig harmlos“.

Warum frühere Warnungen oft drastischer klingen

Thujon besitzt historisch einen ausgesprochen schlechten Ruf. Dazu hat insbesondere die Diskussion um Absinth beigetragen. Die toxikologischen Risiken des Alkoholkonsums und jene von Thujon wurden dabei lange miteinander vermischt.

Auch die EMA weist in ihrer Sicherheitsbewertung darauf hin, dass die Gefährlichkeit von Thujon in der Vergangenheit möglicherweise überschätzt wurde, unter anderem aufgrund der Erfahrungen mit dem Konsum beziehungsweise Missbrauch entsprechender Spirituosen. Das bedeutet nicht, dass Thujon ungefährlich ist. Es bedeutet lediglich, dass moderne Bewertungen stärker auf tatsächliche Dosis und Exposition achten.

In Schwangerschaft und Stillzeit gelten andere Maßstäbe

Die EMA empfiehlt die medizinische Verwendung von Salbeiblättern während Schwangerschaft und Stillzeit nicht, weil ausreichende Sicherheitsdaten fehlen. Das gilt unabhängig davon, ob eine konkrete Gefahr durch eine einzelne Tasse nachgewiesen wurde. Bei der medizinischen Anwendung muss eine positive Sicherheitseinschätzung auf vorhandenen Daten beruhen; fehlen diese, fällt die Empfehlung entsprechend vorsichtig aus.

Das sollte wiederum nicht mit der Aussage verwechselt werden, dass jedes einzelne Salbeiblatt in einem Gericht während der Schwangerschaft automatisch gefährlich wäre. Eine gelegentliche kulinarische Verwendung und ein regelmäßig hoch dosierter Arzneitee sind unterschiedliche Situationen.

Auch für Kinder fehlen ausreichende Sicherheitsdaten

Ähnlich zurückhaltend fällt die aktuelle europäische Bewertung für Kinder und Jugendliche aus. Weil keine ausreichenden Sicherheitsdaten vorliegen, empfiehlt die EMA die medizinische Verwendung von Salbeiblatt-Zubereitungen bei unter 18-Jährigen nicht.

Das ist besonders bei Hausmitteln relevant. Kräutertee wird häufig automatisch als kinderfreundlich angesehen, weil er pflanzlich ist. Die pharmakologische Wirkung eines Pflanzenstoffes verschwindet jedoch nicht dadurch, dass er aus einem Blatt stammt.

Kann man thujonfreien Salbei kaufen?

Der Thujongehalt verschiedener Salbeipflanzen und Zubereitungen kann erheblich variieren. Bei Arzneimitteln beziehungsweise kontrollierten Produkten lässt sich der Gehalt wesentlich besser überwachen als bei einer zufällig ausgewählten Pflanze aus dem Garten. Die EMA verlangt für die von ihrer Monographie erfassten medizinischen Produkte, dass der Thujongehalt spezifiziert wird und die maximale tägliche Belastung unter der festgelegten Grenze bleibt.

Für den normalen Teetrinker ist es allerdings weder erforderlich noch realistisch, nur vollkommen thujonfreie Salbeiblätter zu suchen. Der vernünftige Ansatz besteht darin, die Pflanze in üblichen Mengen zu verwenden und hoch konzentrierte Eigenexperimente zu vermeiden.

Muss man wegen Thujon auf Salbeitee verzichten?

Für gesunde Erwachsene ergibt sich aus der europäischen Bewertung kein Grund, einen bestimmungsgemäß zubereiteten Salbeitee grundsätzlich zu meiden. Salbeiblatt-Zubereitungen werden von der EMA gerade deshalb weiterhin als traditionelle pflanzliche Arzneimittel für verschiedene Anwendungen anerkannt. Unter Einhaltung der empfohlenen Dosierung und der vorgesehenen Thujongrenzen werden sie als ausreichend sicher beurteilt.

Das ist allerdings keine Freigabe für unbegrenzte Mengen. Wer Salbei täglich in sehr hoher Konzentration verwendet oder konzentrierte Extrakte und ätherisches Öl einnimmt, befindet sich in einer anderen Situation als jemand, der einige Gramm Blätter als Tee aufgießt.

Thujon ist ein Grund für vernünftige Dosierung, nicht für Panik

Die nüchterne Antwort auf die Frage „Wie gefährlich ist Salbeitee?“ liegt deshalb zwischen zwei Extremen. Es wäre falsch zu behaupten, Thujon spiele überhaupt keine Rolle. Der Stoff kann in hohen Dosen neurotoxisch wirken, und gerade ätherisches Salbeiöl kann problematische Mengen liefern. Ebenso falsch wäre es aber, daraus abzuleiten, eine gewöhnliche Tasse Salbeitee sei grundsätzlich gefährlich.

Für Erwachsene spricht die europäische Bewertung dafür, Salbeiblätter in den vorgesehenen Mengen als ausreichend sicher anzusehen. Entscheidend ist ein vernünftiger Umgang: Salbeitee normal dosieren, nicht durch riesige Mengen Pflanzenmaterial vermeintlich „verstärken“, konzentriertes ätherisches Salbeiöl nicht mit Tee gleichsetzen und bei medizinischer Anwendung die jeweiligen Dosierungsangaben beachten.

Thujon ist damit kein Grund, Salbei aus der Küche oder der Teetasse zu verbannen. Es ist vielmehr ein gutes Beispiel dafür, warum die Aussage „pflanzlich“ nicht mit „beliebig dosierbar“ verwechselt werden sollte. Gerade bei einer traditionsreichen Heilpflanze wie Salbei liegt der vernünftigste Weg zwischen sorglosem Übermaß und unnötiger Angst.