Salbeiarten für Tee: Welcher Salbei ist wirklich geeignet?
Wer im Gartencenter vor einem Regal voller Salvien steht, könnte leicht glauben, Salbei sei Salbei. Schließlich tragen alle Pflanzen denselben Gattungsnamen, riechen teilweise aromatisch und besitzen häufig ähnliche Blüten. Tatsächlich umfasst die Gattung Salvia aber eine enorme Vielfalt. Kew Gardens führt derzeit mehr als tausend akzeptierte Arten innerhalb der Gattung. Darunter befinden sich Küchenkräuter, traditionelle Heilpflanzen, Zierpflanzen und Arten mit völlig anderen Inhaltsstoffen und Verwendungsweisen.
Für den klassischen Salbeitee ist die Sache wesentlich übersichtlicher: Die europäische Arzneipflanzenmonographie bezieht sich auf die Blätter des Echten Salbeis, Salvia officinalis. Genau diese Art ist auch der klassische Küchen- beziehungsweise Gewürzsalbei. Wer einen Tee entsprechend der traditionellen medizinischen Anwendung zubereiten möchte, sollte deshalb nicht irgendeine beliebige Salvia verwenden, sondern Salvia officinalis.
Salvia officinalis ist der klassische Teesalbei
Echter Salbei ist die Art, die hierzulande normalerweise gemeint ist, wenn schlicht von Salbei gesprochen wird. Er bildet einen kleinen, teilweise verholzenden Strauch mit graugrünen, leicht filzigen und stark aromatischen Blättern. Die Royal Horticultural Society bezeichnet Salvia officinalis ausdrücklich als den Standard-Küchensalbei; frische und getrocknete Blätter werden zum Würzen verwendet, und die RHS nennt auch ihre Verwendung für Tee.
Auch medizinisch ist die Zuordnung eindeutig. Die Europäische Arzneimittel-Agentur führt eine eigene Pflanzenmonographie für Salvia officinalis L., folium, also die Blätter des Echten Salbeis. Zu den traditionell anerkannten Anwendungsbereichen gehören leichte Verdauungsbeschwerden, übermäßiges Schwitzen sowie Beschwerden im Mund- und Rachenbereich.
Wer getrocknete Salbeiblätter als Arzneitee kauft, bekommt deshalb nicht einfach irgendeine Pflanze aus der Gattung Salvia, sondern entsprechend bezeichnetes Pflanzenmaterial von Salvia officinalis.
Der botanische Name verhindert Verwechslungen
Deutsche Pflanzennamen sind praktisch, botanische Namen sind genauer. „Salbei“ kann auf einem Verkaufsschild eine ganze Pflanzengruppe beschreiben. Salvia officinalis bezeichnet dagegen eine konkrete Art.
Das ist besonders beim Kauf von Gartenpflanzen hilfreich. Steht auf dem Etikett ausdrücklich Salvia officinalis, handelt es sich um den klassischen Küchen- und Salbeitee-Salbei. Die RHS ordnet diese Art klar den kulinarischen Salvien zu.
Wer dagegen lediglich eine attraktive Pflanze mit der Bezeichnung „Salvia“ erwirbt, sollte nicht allein aufgrund dieses Namens annehmen, ihre Blätter seien für einen traditionellen Salbeitee gedacht.
Purpursalbei kann trotzdem Echter Salbei sein
Auch innerhalb von Salvia officinalis gibt es verschiedene Sorten. Deshalb muss Echter Salbei nicht immer genau wie das klassische graugrüne Exemplar aussehen.
Ein Beispiel ist Salvia officinalis ‚Purpurascens‘. Diese Sorte besitzt besonders an jungen Trieben violett gefärbte Blätter, die später stärker ins Graugrüne übergehen. Botanisch bleibt sie jedoch eine Sorte von Salvia officinalis.
Dasselbe Prinzip gilt für verschiedene buntlaubige oder anders blühende Sorten des Echten Salbeis. Die Farbe allein entscheidet also nicht darüber, ob eine Pflanze Küchen- beziehungsweise Echter Salbei ist. Maßgeblich ist ihre botanische Zugehörigkeit.
Weiß blühender Salbei kann ebenfalls Salvia officinalis sein
Auch die Blütenfarbe ist kein zuverlässiges Unterscheidungsmerkmal. Neben den typischen violett-blauen Formen existieren beispielsweise weiß blühende Sorten wie Salvia officinalis ‚Albiflora‘. Die RHS führt auch diese Pflanze als kulinarischen Salbei.
Wer bereits verschiedene Salbeisorten im Kräutergarten besitzt, muss deshalb nicht automatisch nur die unscheinbarste graugrüne Pflanze verwenden. Entscheidend ist, dass es sich tatsächlich um eine Sorte von Salvia officinalis handelt.
Griechischer Salbei ist eine eigene Art
Im östlichen Mittelmeerraum begegnet man häufig Salvia fruticosa, die unter anderem als Griechischer Salbei bezeichnet wird. Kew Gardens führt Salvia fruticosa als eigenständige akzeptierte Art mit natürlichem Verbreitungsgebiet im zentralen und östlichen Mittelmeerraum.
Die Pflanze ist eng mit dem mediterranen Kräutergebrauch verbunden und kann dem Echten Salbei optisch und aromatisch ähnlich erscheinen. Gerade deshalb sollten beide Arten nicht einfach botanisch gleichgesetzt werden.
Für die praktische Verwendung ist die Kennzeichnung des konkreten Produktes entscheidend. Wird Salvia fruticosa ausdrücklich als Lebensmittel beziehungsweise Kräutertee angeboten, kann man sich an die dafür vorgesehenen Zubereitungsangaben halten. Die medizinischen Dosierungen unserer bisherigen Artikel dürfen aber nicht automatisch übernommen werden.
Die EMA-Monographie gilt nicht automatisch für Griechischen Salbei
Dieser Punkt ist wichtiger, als er zunächst klingt. Die europäische Salbei-Monographie nennt ausdrücklich Salvia officinalis L.
Wenn dort beispielsweise 1 bis 2 Gramm Salbeiblätter auf 150 Milliliter Wasser beschrieben werden, beziehen sich diese Angaben auf das definierte Pflanzenmaterial dieser Art und der entsprechenden Zubereitung. Man kann daraus nicht einfach folgern, dass dieselbe Grammzahl jeder anderen Salvia-Art medizinisch exakt gleichwertig wäre.
Ähnliche Pflanzen können sich in der Zusammensetzung ihres ätherischen Öls und anderer Pflanzenstoffe unterscheiden. Für einen Genusstee ist das eine Frage von Geschmack und Produktzulassung; für eine medizinische Dosierung wird die exakte Pflanzenart wesentlich wichtiger.
Spanischer Salbei ist botanisch besonders interessant
Beim sogenannten Spanischen Salbei wird die Namensfrage noch komplizierter. Die lange gebräuchliche Bezeichnung Salvia lavandulifolia wird von Plants of the World Online heute als Synonym von Salvia officinalis subsp. lavandulifolia geführt. Botanisch wird er damit als Unterart des Echten Salbeis eingeordnet.
Die RHS zählt diese Pflanzengruppe ebenfalls zu den kulinarisch beziehungsweise als immergrüne Strauch-Salvien kultivierten Formen.
Trotz dieser engen Verwandtschaft sollte aus einer botanischen Unterart nicht automatisch geschlossen werden, dass jedes medizinische Präparat oder jeder Tee exakt dieselbe Zusammensetzung besitzt wie klassischer Salvia officinalis. Pflanzenchemie kann auch innerhalb eng verwandter Gruppen variieren.
Botanische Verwandtschaft ist keine Dosierungsanleitung
Das Beispiel des Spanischen Salbeis zeigt ein grundsätzliches Problem. Pflanzen können botanisch ausgesprochen eng verwandt sein und trotzdem Unterschiede in ihrem ätherischen Öl besitzen.
Eine pharmazeutische Monographie definiert deshalb nicht lediglich eine ungefähre Verwandtschaftsgruppe, sondern ein bestimmtes Ausgangsmaterial.
Wer einfach einen aromatischen Kräutertee trinken möchte, kann verschiedene ausdrücklich dafür angebotene Salbeiprodukte ausprobieren. Wer dagegen eine Zubereitung entsprechend der europäischen medizinischen Salbeimonographie herstellen möchte, bleibt am einfachsten bei Salvia officinalis.
Muskatellersalbei ist etwas anderes
Salvia sclarea trägt den deutschen Namen Muskatellersalbei. Die Pflanze ist ebenfalls eine echte Salvia-Art, botanisch aber klar von Salvia officinalis getrennt. Kew führt Salvia sclarea als eigene akzeptierte Art mit einem natürlichen Verbreitungsgebiet vom Mittelmeerraum bis nach Zentralasien und in den westlichen Himalaya.
Muskatellersalbei ist vor allem wegen seines ausgeprägten Duftes bekannt und spielt unter anderem bei der Gewinnung ätherischer Öle eine Rolle. Seine großen Blätter und eindrucksvollen Blütenstände machen ihn außerdem zu einer attraktiven Gartenpflanze.
Aus der Tatsache, dass im Namen „Salbei“ steckt, sollte man aber wiederum keine Gleichsetzung mit dem klassischen Salbeitee ableiten. Die EMA-Monographie für Salbeiblätter bezieht sich auf Salvia officinalis und nicht auf Salvia sclarea.
Muskatellersalbei nicht nach Rezepten für Echten Salbei dosieren
Für den normalen Verbraucher ist damit eine einfache Regel sinnvoll: Wer Muskatellersalbei gezielt als Lebensmittel verwendet, orientiert sich an einer entsprechend ausgewiesenen Verwendung oder einem konkreten Produkt. Die medizinischen Grammangaben für Echten Salbei werden nicht einfach übertragen.
Dasselbe gilt noch stärker für ätherisches Öl. Ätherische Öle stellen konzentrierte Zubereitungen dar und sind mit einem Teeaufguss aus Blättern nicht gleichzusetzen.
Der botanische Name auf dem Etikett schützt hier vor der Vorstellung, jedes Produkt mit dem Wort Salbei könne identisch verwendet werden.
Ananassalbei erkennt man schon am Geruch
Eine besonders attraktive Salvia-Art ist Salvia elegans, der Ananassalbei. Die Pflanze stammt aus Mexiko und besitzt Blätter, die beim Zerreiben deutlich fruchtig beziehungsweise an Ananas erinnernd riechen. Kew führt Salvia elegans als eigenständige akzeptierte Art; auch der englische Trivialname „pineapple sage“ ist dort dokumentiert.
Die Pflanze wird vor allem als Zier- und Duftpflanze kultiviert. Nach Angaben der North Carolina State University sind ihre Blüten essbar und besitzen einen süß-fruchtigen Geschmack; die Blätter zeichnen sich durch den charakteristischen Ananasduft aus.
Damit ist Ananassalbei kulinarisch interessant. Er ist aber wiederum kein Ersatz für Salvia officinalis, wenn es um die dokumentierten traditionellen Arzneianwendungen des Echten Salbeis geht.
Ein aromatisches Blatt ist noch kein Arzneitee
Gerade Ananassalbei zeigt schön, warum man zwei Fragen voneinander trennen sollte: „Kann man diese Pflanze kulinarisch verwenden?“ und „Entspricht sie dem Salbei einer medizinischen Monographie?“
Eine essbare, angenehm schmeckende Salvia-Art kann hervorragend als Küchenkraut, Dekoration oder Bestandteil eines Kräutergetränks geeignet sein, ohne damit dieselben medizinisch dokumentierten Eigenschaften von Salvia officinalis zu besitzen.
Für unsere bisherigen Artikel zu Halsschmerzen, Schwitzen oder Verdauungsbeschwerden bleibt deshalb der Echte Salbei die Bezugsart.
Auch Weißer Salbei ist nicht dasselbe
Salvia apiana, häufig als Weißer Salbei beziehungsweise White Sage bezeichnet, taucht inzwischen auch in europäischen Gartencentern und Onlineshops auf. Die RHS zählt ihn zu den immergrünen strauchartigen Salvien, unterscheidet ihn aber klar von Salvia officinalis.
Weißer Salbei besitzt andere traditionelle kulturelle Verwendungen und sollte nicht bloß deshalb als Ersatz für Küchen- oder Arzneisalbei behandelt werden, weil die deutsche Bezeichnung ähnlich ist.
Wer Salbeitee nach den klassischen europäischen Angaben zubereiten möchte, gewinnt durch den Wechsel zu einer exotischen Salvia-Art keinen erkennbaren Vorteil.
Ziersalbei ist eine riesige Gruppe
Besonders unübersichtlich wird es im Ziergarten. Salvien gehören inzwischen zu den beliebtesten Blütenpflanzen, weil ihre Blüten über lange Zeit Farbe liefern und viele Arten für Bestäuber attraktiv sind.
Die botanische Gattung ist allerdings riesig. Kew zählt aktuell mehr als tausend akzeptierte Salvia-Arten.
Daraus folgt zwangsläufig, dass man nicht von wenigen bekannten Küchenarten auf die gesamte Gattung schließen kann. Ein Gartencenter verkauft eine Salvia möglicherweise ausschließlich wegen ihrer Blütenfarbe, Winterhärte oder Attraktivität für Insekten. Eine Verwendung als Lebensmittel war bei ihrer Auswahl überhaupt kein Thema.
Nicht jeder Ziersalbei ist automatisch giftig
Die andere extreme Behauptung wäre ebenfalls falsch. Aus „nicht als Lebensmittel ausgewiesen“ folgt nicht automatisch „hochgiftig“.
Das Problem besteht vielmehr darin, dass eine sichere kulinarische Verwendung nicht allein aus der botanischen Gattung abgeleitet werden kann.
Statt sämtliche Salvien entweder als essbar oder giftig einzuordnen, ist eine viel einfachere Regel sinnvoll: Nur eindeutig bestimmte und als Lebensmittel geeignete Arten in Küche und Teetasse verwenden.
Salvia divinorum zeigt, wie unterschiedlich Salvien sein können
Ein besonders deutliches Gegenbeispiel zum klassischen Küchensalbei ist Salvia divinorum, der sogenannte Wahrsage- oder Aztekensalbei. Das Bundesinstitut für Risikobewertung beschreibt Salvia divinorum als Pflanze, deren Blätter wegen ihrer halluzinogenen Wirkung konsumiert werden; ein zentraler Inhaltsstoff ist Salvinorin A.
Damit wird anschaulich, wie wenig sinnvoll die Aussage „Alle Salbeiarten sind im Grunde dasselbe“ wäre. Salvia divinorum und Salvia officinalis gehören zwar zur selben botanischen Gattung, besitzen aber völlig unterschiedliche chemische Profile und Verwendungen.
Eine unbekannte Salvia aus einem Garten sollte deshalb niemals allein aufgrund des Gattungsnamens zu Tee verarbeitet werden.
Der Geruch reicht zur Bestimmung nicht aus
Viele Salbeiarten besitzen aromatische Blätter. Ein kräftiger Duft beweist deshalb weder, dass es sich um Salvia officinalis handelt, noch dass die Pflanze als Tee geeignet ist.
Selbst innerhalb des Echten Salbeis variiert das Erscheinungsbild durch verschiedene Sorten. Gleichzeitig können andere Arten optisch und aromatisch ähnlich wirken.
Wer eine Pflanze verwenden möchte, deren Herkunft unbekannt ist, sollte sie botanisch bestimmen, statt nach Geruch oder Blattfarbe zu raten.
Pflanzenetiketten sollte man aufheben
Beim Kauf einer neuen Salvia lohnt es sich deshalb, das Pflanzenetikett nicht sofort wegzuwerfen. Der botanische Name ist Jahre später oft wesentlich nützlicher als ein Foto.
Besonders in einem Garten mit mehreren Salvien können sich die Pflanzen nach einiger Zeit ausbreiten oder ineinander wachsen. Dann ist schnell vergessen, welche Sorte ursprünglich an welcher Stelle stand.
Für einen reinen Ziergarten spielt das kaum eine Rolle. Sobald Blätter geerntet werden sollen, wird eine eindeutige Identifikation dagegen wichtig.
Salvia officinalis lässt sich recht gut erkennen
Der klassische Echte Salbei bildet meist einen kleinen verholzenden Halbstrauch. Seine länglichen graugrünen Blätter besitzen eine deutlich strukturierte Oberfläche und wirken durch ihre feine Behaarung leicht silbrig. Beim Zerreiben entsteht unmittelbar der typische kräftige Salbeiduft.
Im Frühsommer erscheinen meist violettblaue Blüten. Je nach Sorte können Blatt- und Blütenfarben allerdings abweichen.
Diese Merkmale helfen bei der Orientierung, ersetzen aber bei einer unbekannten Pflanze keine sichere Bestimmung.
Supermarkt-Salbei ist meist die unkomplizierteste Variante
Wer einfach nur frischen Salbei für Tee oder Küche möchte, muss deshalb keine botanische Expedition beginnen. Als Küchen-Salbei verkaufte Pflanzen sind in der Regel entsprechend gekennzeichnet; die RHS bezeichnet Salvia officinalis ausdrücklich als den üblichen Küchen-Salbei, der in Gartencentern und Supermärkten erhältlich ist.
Nach dem Kauf kann die Pflanze in einen größeren Topf oder ins Kräuterbeet gesetzt werden und über Jahre Blätter liefern.
Der botanische Name sollte trotzdem kontrolliert werden. „Salvia officinalis“ ist genau das, wonach man sucht.
Beim Tee aus der Apotheke ist die Art definiert
Noch unkomplizierter wird es bei entsprechend deklarierten Arzneitees beziehungsweise Arzneidrogen. Dort ist das verwendete Pflanzenmaterial definiert.
Gerade wer Salbei gezielt entsprechend einer traditionellen medizinischen Anwendung einsetzen möchte, bekommt dadurch eine wesentlich besser nachvollziehbare Grundlage als mit einem unbekannten Gartenstrauch.
Die europäischen Angaben zu Dosierung, Anwendung und Sicherheit beziehen sich schließlich auf Salvia officinalis L., folium.
Teebeutel-Mischungen können mehrere Pflanzen enthalten
Bei fertigen Kräutertees lohnt sich dagegen ein Blick auf die Zutaten. Ein Produkt kann „Salbeitee“ heißen und trotzdem weitere Kräuter enthalten.
Für den Geschmack kann eine Mischung ausgesprochen angenehm sein. Medizinische Mengenangaben für reinen Salbei lassen sich jedoch nicht automatisch auf ein Produkt übertragen, bei dem vielleicht nur ein Teil des Inhalts aus Salvia officinalis besteht.
Wer eine bestimmte Salbeimenge verwenden möchte, achtet deshalb auf Zutatenliste und Füllgewicht.
Warum verschiedene Salbeiarten unterschiedlich schmecken
Salvia-Arten unterscheiden sich unter anderem in der Zusammensetzung ihrer ätherischen Öle. Gerade diese flüchtigen Pflanzenstoffe bestimmen einen erheblichen Teil von Geruch und Geschmack.
Ein Salbei kann stärker nach Campher riechen, ein anderer fruchtiger oder milder. Beim Ananassalbei ist der Unterschied bereits mit der Nase deutlich wahrnehmbar.
Diese Vielfalt ist kulinarisch spannend. Sie ist gleichzeitig ein weiterer Grund, warum eine Salvia-Art nicht beliebig durch eine andere ersetzt werden sollte, wenn eine bestimmte Pflanzenzubereitung gemeint ist.
Andere Zusammensetzung bedeutet nicht automatisch besser oder schlechter
Es wäre ebenfalls falsch, Echten Salbei pauschal als „gesündeste“ Salbeiart zu bezeichnen. Andere Salvien besitzen eigene interessante Inhaltsstoffe und werden wissenschaftlich untersucht.
Der entscheidende Vorteil von Salvia officinalis für unseren Zweck ist ein anderer: Seine kulinarische Verwendung ist etabliert, und für seine Blätter existiert außerdem eine europäische Arzneipflanzenmonographie mit definierten traditionellen Anwendungen.
Damit wissen wir deutlich besser, worüber wir sprechen, wenn wir von Salbeitee sprechen.
Sorten von Salvia officinalis sind für den Kräutergarten interessant
Wer etwas Abwechslung möchte, kann innerhalb der Art Salvia officinalis verschiedene Sorten ausprobieren, statt sofort auf eine vollkommen andere Salvia-Art auszuweichen.
Purpurfarbene, weiß blühende oder buntlaubige Formen sorgen für Abwechslung im Beet und bleiben botanisch dem Echten Salbei zugeordnet.
Dabei können Aroma und Wuchsform trotzdem etwas variieren. Für den privaten Kräutergarten bietet das eine schöne Verbindung aus Nutz- und Zierpflanze.
Blühender Salbei bleibt verwendbar
Auch wenn Salvia officinalis blüht, verwandelt er sich nicht plötzlich in eine andere oder ungeeignete Pflanze. Die Blätter können weiterhin verwendet werden.
Für einen besonders aromatischen Trockenvorrat wird häufig vor beziehungsweise rund um den Beginn der Blüte geerntet. Einzelne Blätter für Küche und Tee lassen sich aber über einen wesentlich längeren Zeitraum pflücken.
Die Blüten selbst sind zudem attraktiv für Insekten, sodass nicht jeder Trieb für die Ernte abgeschnitten werden muss.
Wild gesammelten Salbei nur sicher bestimmt verwenden
In südlichen Urlaubsländern kann die Versuchung groß sein, aromatisch riechende Kräuter selbst zu sammeln. Gerade im Mittelmeerraum wachsen verschiedene Salvia-Arten.
Ohne sichere Pflanzenkenntnis ist das keine gute Idee. Der Duft allein reicht nicht zur Bestimmung, und zusätzlich können örtliche Naturschutz- und Sammelregeln gelten.
Für eine Tasse Tee ist es wesentlich unkomplizierter, eindeutig gekennzeichnetes Pflanzenmaterial zu kaufen.
Auch bei Pflanzen aus dem eigenen Garten zählt die Vorgeschichte
Ein eindeutig identifizierter Salvia officinalis kann grundsätzlich für Küche und Tee genutzt werden. Trotzdem sollte bekannt sein, wie die Pflanze behandelt wurde.
Wurde sie beispielsweise frisch als reine Zierpflanze gekauft und mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, können Wartezeiten oder Einschränkungen für den Verzehr gelten.
Bei Pflanzen, die ausdrücklich als Küchenkräuter verkauft wurden und anschließend im eigenen Garten entsprechend gepflegt werden, ist die Situation einfacher.
Medizinischer Salbeitee bleibt Salvia officinalis
Für die bisherigen Themen unserer Serie – Halsschmerzen, Gurgeln, leichte Verdauungsbeschwerden und übermäßiges Schwitzen – bleibt deshalb eine eindeutige Bezugsgröße bestehen: Salvia officinalis L.
Genau diese Art steht hinter der europäischen Pflanzenmonographie. Die EMA hat 2025 die turnusmäßige wissenschaftliche Überprüfung dieser Monographie eingeleitet; auf der aktuellen EMA-Seite wird weiterhin Revision 1 als bestehende Monographie geführt.
Wer entsprechende Dosierungsangaben verwendet, sollte folglich auch genau dieses Pflanzenmaterial verwenden.
Für Genuss darf die Salbeiwelt größer sein
Außerhalb einer medizinisch definierten Zubereitung darf man durchaus neugieriger sein. Andere ausdrücklich als essbar angebotene Salvien können interessante Aromen liefern. Ananassalbei zeigt beispielsweise, wie weit sich der Geschmack innerhalb derselben Pflanzengattung vom klassischen Salbeiaroma entfernen kann.
Auch mediterrane Salbeiarten können kulinarisch interessant sein. Hier sollte aber jeweils die konkrete Art beziehungsweise das angebotene Lebensmittel betrachtet werden.
Die Regel lautet nicht „Nur Salvia officinalis darf jemals in eine Tasse“. Sie lautet vielmehr: Nicht aus dem Wort Salvia allein auf Essbarkeit, Dosierung oder medizinische Wirkung schließen.
Welcher Salbei ist nun der richtige für Tee?
Wer unkompliziert Salbeitee zubereiten möchte, ist mit Echtem Salbei, Salvia officinalis, am besten beraten. Er ist der klassische Küchen-Salbei, seine frischen und getrockneten Blätter werden traditionell für Tee verwendet, und auf genau diese Art bezieht sich die europäische Arzneipflanzenmonographie.
Eng verwandte Arten und Unterarten wie Griechischer oder Spanischer Salbei können ebenfalls als aromatische Pflanzen beziehungsweise entsprechend gekennzeichnete Kräuterprodukte begegnen. Sie sollten aber nicht automatisch nach den medizinischen Dosierungen für Salvia officinalis verwendet werden. Kew führt Salvia fruticosa als eigene Art und den früher als Salvia lavandulifolia bezeichneten Spanischen Salbei inzwischen als Salvia officinalis subsp. lavandulifolia.
Muskatellersalbei, Ananassalbei, Weißer Salbei und die zahllosen Ziersalvien zeigen wiederum, wie vielfältig die Gattung ist. Besonders Salvia divinorum macht deutlich, dass selbst sehr unterschiedliche Pflanzen unter dem Namen Salvia zusammengefasst werden können.
Die einfachste Regel für Garten und Teetasse ist deshalb überraschend banal: Botanischen Namen lesen. Steht Salvia officinalis auf Pflanze oder Packung, hat man den klassischen Salbei für Küche und Salbeitee vor sich. Bei jeder anderen Art wird erst geklärt, wofür genau diese Pflanze vorgesehen ist.